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Flugreisen mit Elektro-Rollstuhl

12. Juni 2026
Geschrieben von:
Fabian Kösters
Ein Paar steht mit gepackten Koffern in der Abfertigungshalle eines Flughafens. Der Mann sitzt in einem Elektro-Rollstuhl.

Das Wichtigste in Kürze

Dr. Jörg Winkelmann und seine Frau Monika reisen mit großer Leidenschaft um die Welt. Aus eigener Erfahrung bringt er umfassendes Wissen rund um das Reisen mit dem Elektro-Rollstuhl mit.
Auf seinen Reisen hat er vielfältige Eindrücke gesammelt – insbesondere im Hinblick auf die unterschiedlichen Regelungen und Anforderungen verschiedener Fluggesellschaften.
Sein Anliegen ist es, das Reisen zugänglicher zu machen und hilfreiche Hinweise zu geben, die eine entspannte Planung und Durchführung von Reisen unterstützen.

Interview mit Dr. Jörg Winkelmann, Weltenbummler und Reiseexperte

Portrait Dr. Jörg Winkelmann

Dr. Jörg Winkelmann und seine Frau Monika sind leidenschaftlicher Weltenbummler. Als Anwender verfügt er über umfangreiche Erfahrung im Reisen mit dem Elektro-Rollstuhl.  Auf seinen Touren hat er zahlreiche Eindrücke gesammelt – insbesondere im Umgang mit den unterschiedlichen Regelungen und Anforderungen verschiedener Fluggesellschaften.

Er war sehr aktiver Sportler und ist heute als teilnehmender Beobachter bei vielen Sportveranstaltungen zugegen. Zusammen mit seiner Frau Monika ist er auch als Rollstuhlfahrer weltweit aktiv und hat zum Beispiel den Honolulu-Marathon besucht.

Sein Ziel ist es, das Reisen ein Stück leichter zu machen und wertvolle Tipps zu geben, die zu einer entspannten Reiseplanung und -durchführung beitragen. 

F. KÖSTERS: Ich freue mich, dass wir uns heute auf diesem für uns beide noch nicht so ganz gewöhnlichen Weg treffen, um mal über Flugreisen mit dem Elektrorollstuhl zu sprechen. Vielleicht stellen Sie sich einfach mal kurz vor.

DR. WINKELMANN: Guten Tag. Mache ich gerne. Mein Name ist Jörg Winkelmann und ich bin aktuell Rollstuhlfahrer und beruflich nicht mehr tätig. Ich bin Rentner und habe vorher als Geschäftsführer in einer Pinneberger Firma gearbeitet, bis zu meinem Unfall, bis zu den Schlaganfällen. Ich war aktiver Sportler und hab das sehr intensiv betrieben, durchaus auch mal einen Ironman beziehungsweise 5 Langstrecken-Ironman absolviert und jede Menge angenehme andere sportliche Aktivitäten. Jetzt bin ich durch meine Rollstuhlbindung nicht mehr ganz so aktiv, aber ich habe durch die Möglichkeit, mit meiner Frau zu verreisen, jede Menge Gelegenheiten auch noch in Form des Rollstuhlfahrers weltweit aktiv zu sein. Natürlich ist auch mein genutzter Rollstuhl von der Firma MovingStar ein großes Hilfsmittel für diese Aktivitäten.

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F. KÖSTERS: Honolulu Marathon oder Ironman war 2024 ein Thema, oder?

DR. WINKELMANN: 2022 war der Ironman das Thema, da waren wir schon einmal auf Hawaii und konnten die Weltelite bei ihrem Wettkampf sehen. In diesem Jahr zur Weihnachtszeit waren wir noch mal auf der Insel und haben aber dort in dem Areal, wo normalerweise dann die Ironmen ins Ziel laufen, einen Weihnachtsmarkt erleben können. Also es war ein ganz anderes Ambiente, eine kleine ruhige amerikanische Stadt, und es hatte nichts mit Hochleistungssport zu tun. Das waren sozusagen die zwei Sichtweisen.

Bis wann muss ich einen Elektro-Rollstuhl bei der Fluggesellschaft anmelden?

F. KÖSTERS: Ja, darum soll es ja heute gehen. Wie kommt man dahin mit einem Elektro-Rollstuhl im Gepäck?

DR. WINKELMANN: Es ist ganz wichtig, dass man sich rechtzeitig vorher bei der Fluggesellschaft erkundigt, welche Formulare ausgefüllt werden müssen. Es ist relativ einfach, wenn man mit der Lufthansa fliegt, weil man da sehr verständliche und gut auf der Internetseite zu öffnende Formulare runterladen kann. Die kann man dann entweder am Computer oder händisch ausfüllen und sie dann spätestens 48 Stunden vorher einreichen. Also ich mach das immer sehr gerne einige Wochen zuvor, damit ich 'ne gewisse Sicherheit habe.

F. KÖSTERS: Ja, gut. Und das kann man dann auch online machen?

DR. WINKELMANN: Das kann man online machen.

F. KÖSTERS: Und das sind Sachen, die alle von der Fluggesellschaft kommen. Also, Sie haben jetzt von der Lufthansa gesprochen, haben Sie auch Erfahrungen mit anderen Fluggesellschaften, was das betrifft?

DR. WINKELMANN: Das ist, wie gesagt, bei jeder Fluggesellschaft anders. Aktuell habe ich mich gerade bei Turkish Airlines angemeldet und dort ist es so, dass die zwar sagen, man muss 48 Stunden vorher sich angemeldet haben, ähnlich wie bei Lufthansa, aber es gibt kein Formular und da hab ich mich erst ein bisschen gewundert und hab dann das Ganze formlos gemacht, hab sozusagen eine E-Mail geschrieben und hab in diese E-Mail alles reingeschrieben, was ich möchte und zurück für welche Flüge und habe dann die Dokumente angehängt als Anlage hab ich die sozusagen angefügt und insbesondere ist dann immer wichtig, das Sicherheitsdatenblatt von den Batterien und das Datenblatt vom Rollstuhl anzufügen.


Wieviel Leistung darf ein Rollstuhl-Akku im Flugzeug haben?

F. KÖSTERS: Und das sind zwei Sachen, die dann vom Hersteller des Rollstuhls kommen müssen. Im Datenblatt steht, für den Akku sind einmal 300 Wattstunden erlaubt oder zweimal 160. Das ist dann ein sogenannter Flugakku.

DR. WINKELMANN: Gut ist, wenn die Akkus, die man mitführt, dieses Zertifikat haben, wo auch der Flugkapitän ablesen kann, dass es in Ordnung ist. Also ich hatte tatsächlich schon zweimal einen Flug, wo sich der Flugkapitän den Akku in seiner Kabine hat bringen lassen, um ihn zu sehen, um dann zu entscheiden, ob er mich mitnimmt oder nicht. Wichtig ist, dass man die Dokumente, die man schon der Fluggesellschaft zur Verfügung gestellt hat, auch in ausgedruckter Form beim Einchecken dabeihat.

F. KÖSTERS: Machen Sie noch was mit dem Akku? Sie fahren ja mit dem Elektrorollstuhl direkt zum Check-in.

Ein Rollstuhlfahrer fährt in einem Flughafen mit seinem Elektro-Rollstuhl einen Gang entlang

DR. WINKELMANN: Also, ich habe grundsätzlich zwei Akkus und den einen Akku habe ich schon in der feuerfesten Tasche, die ich dann grundsätzlich mit in die Kabine nehmen muss. In meiner Tasche ist Platz für genau die zwei Akkus, die auch erlaubt sind. Ich fahre ja komplett auch durch die Sicherheitskontrollen mit meinem Rollstuhl, das muss man nicht, kann man aber.

Weil ich sehr gerne auch eigenständig unterwegs bin, auch in den Läden, die dann nach der Sicherheitskontrolle sind. Da lasse ich mich nicht gerne so hin und her schieben vom Flughafenpersonal. Wenn man dann seinen eigenen Rollstuhl unterm Hintern hat, kann man sozusagen direkt bis zur Flugzeugtür fahren. Ob das grundsätzlich überall akzeptiert wird, das muss man absprechen, bei mir ist es bisher nahezu immer gelungen. In wenigen Ausnahmefällen haben die gesagt, da lassen sich nicht drauf ein, ich muss den Rollstuhl ins Gepäck geben.

Ein Rollstuhlfahrer steht mit seinem Elektro-Rollstuhl vor dem Special-Assistancce-Schalter eines Flughafens.

F. KÖSTERS: Ja, und dann den vom Flughafen nehmen, da gibt es Leihgeräte.

DR. WINKELMANN: Aber das ist ja dann kein Elektrorollstuhl, sondern da wird man mit einer Person gefahren, man wird umgesetzt, muss seinen Rollstuhl abgeben und dann wird man vom Flughafenpersonal, das ist entweder ein spezieller Dienst oder es ist die Flughafenfeuerwehr. In Leipzig erledigt das grundsätzlich die Flughafenfeuerwehr, weil der Flughafen relativ klein ist. In Frankfurt gibt es sehr viel Personal für diese Assistenz, und da gibt es auch einen speziellen Schalter.

F. KÖSTERS: Ja.


Benötige ich eine Bescheinigung für medizinisches Sondergepäck?

DR. WINKELMANN: Wenn man medizinisches Sondergepäck aufgeben möchte, dann ist immer sinnvoll, dass man vom Arzt attestiert bekommt, dass man ein solches Sondergepäck benötigt. Spannend wird es dann jetzt für mich für den Flug von Nepal nach Bhutan, die Fluggesellschaft hat sowas glaube ich noch gar nicht gemacht. Zumindest gibt es keine Formulare, mal sehen, wie das mit denen gelingt. Da hat mir jemand gesagt, ich soll es doch einfach abwarten und mal schauen was die dazu sagen. Wenn ich dann in Kathmandu auf dem Flughafen bin, soll ich mir jemanden suchen, der mir hilft. Ich komme auf jeden Fall bis nach Kathmandu, aber ich möchte ja eigentlich nach Bhutan mal sehen, was daraus wird.

F. KÖSTERS: Ich höre jetzt da raus, ihren eigenen Elektrorollstuhl müssen Sie nicht ins Gepäck aufgeben, sondern der geht als Handgepäck mit.

DR. WINKELMANN: Ja, ich muss dann auf den sogenannten Gang-Rollstuhl, der ist dann für den Transport im Flugzeug. Ab da ist es absolut nicht mehr möglich, mit dem eigenen Rollstuhl ins Flugzeug zu fahren. Da muss man dann den Service in Anspruch nehmen. Dann wird man ja auf Sitzplätzen platziert, die auch nicht unbedingt an der Stelle sind, wo man sie haben möchte. Deshalb empfehle ich grundsätzlich, braucht man sich bei dem beim vorzeitigen Einchecken von zu Hause am Computer keine Sitzplätze suchen, weil die sowieso verändert werden. Und man wird grundsätzlich am Fenster positioniert, was ja eigentlich erst mal überhaupt nicht schlecht ist. Weil ich auch gerne rausgucke, aber der der Sinn dieser Positionierung der, dass man nicht im Weg sitzt. Das hat so ein bisschen ein Geschmäckle, finde ich, weil es darum geht, dass der Rollstuhlfahrer ja behindert ist und andere nicht im Evakuierungsfall behindern soll. Man wird schon mal vorausschauend abgeschrieben. In der Regel, es sei denn, man fliegt mit irgendwelchen riesengroßen Jumbos, gibt es den Rollstuhl im Flugzeug nicht, mit dem man durch den Gang gefahren wird, der wird am Flughafen abgestellt.


Gibt es im Flugzeug Toiletten für Menschen mit Behinderung?

Dann sind wir am nächsten Komplikationsthema, das ist wirklich ein herausforderndes bei Langstreckenflügen, und sicher für Frauen noch herausfordernder als für Männer. Es ist so, wenn man zur Toilette will, dann gibt es absolut keine Rollstuhltoiletten. Und das bedeutet, dass man auch durchaus mal für 10 oder 12 Stunden nicht auch zur Toilette kann. Und da gibt es dann entsprechendes Spezialequipment, wo man dann mit einem Urinalkondom und einem Beinbeutel arbeiten muss.

F. KÖSTERS: Gut, da muss man sich also natürlich auch drauf einstellen im Vorfeld, dass da sowas auf einen zukommt und dass man das dann halt mitmachen muss. Haben Sie Erfahrungen mit Medikamenten, die mitgeführt werden?

DR. WINKELMANN: Ja, auch das, wie gesagt, also eine Medikamentenliste, die sollte man auf jeden Fall vom Arzt unterschrieben mitführen und dann kann man die Medikamente auch sämtlich in seinem Handgepäck mitführen.

F. KÖSTERS: Das soll man ja auch machen, falls das Gepäck abhanden kommt und wichtige Medikamente dabei sind, dass man die auf alle Fälle dabeihat.

DR. WINKELMANN: Also wir haben immer Medikamente für 2 Tage dabei, und alles andere dann im Gepäck.

Ein Mann sitzt in einem Elektro-Rollstuhl in einem Auto. Um ihn herum stehen Koffer.

F. KÖSTERS: Jetzt sind Sie angekommen und haben ihren Elektrorollstuhl wiederbekommen beim Aussteigen. Den Transfer vor Ort müssen sie dann natürlich auch irgendwie regeln, aber ich denke, das ist dann einfacher als dieses Prozedere mit Ein und Aussteigen.

DR. WINKELMANN: Zum Beispiel in San Francisco haben wir direkt ein Taxi gehabt, wo ich mit dem Rollstuhl direkt reinfahren konnte, also ähnlich wie für bestimmte Rollstuhltransfers im ganz normalen Umgang, wo man dann zum Arzt oder so fährt. Allerdings hatte ich dann auch die besondere Aufgabe noch jede Menge Koffer, die um mich rum und auf mich drauf gestapelt wurden, zu beaufsichtigen. Weil wir nicht alleine im Taxi waren. Es wird immer viel gelächelt und dann wird man sozusagen zugestapelt und man nimmt es hin als Rollstuhlfahrer, so wie man vieles hinnimmt.

F. KÖSTERS: Vor Ort sollte man sich natürlich vorab informieren. Wie komme ich wohin, kann ich ins Museum rein, ist das barrierefrei. Aber das da hilft das Internet weiter, denke ich mal.

DR. WINKELMANN: Man erlebt auf jeden Fall, dass es im Ausland in der Regel wesentlich besser organisiert ist und einfach, in irgendwelche Sachen reinzukommen. Auch in Gaststätten, zum Beispiel. Egal ob in USA, in Japan, in Europa, Holland zum Beispiel, es ist überall besser als in Deutschland.

Eine Frau und ein Mann an einem Wegweiser des Mitternachtssonnenwegs in Norwegen. Der Mann sitzt in einem Elektro-Rollstuhl. Der Himmel ist blau und es ist schönes Wetter, aber es ist kühl, denn beide haben dicke JAclken an und eine Mütze auf.

F. KÖSTERS: Muss ich denn für den Rückflug irgendwas anderes beachten als auf dem Hinflug?

DR. WINKELMANN: Nein, aber man muss auch den Rückflug rechtzeitig anmelden, auch den spätestens 48 Stunden vorher. Ich mach das im Grunde genommen mit der Anmeldung meines Hinflugs melde ich auch gleich den Rückflug an. Und da ist es natürlich dann so, dass man an einem oder anderssprachigen Schalter unterwegs ist und kann sich nicht mehr darauf verlassen, dass man grundsätzlich verstanden wird. In dem Augenblick, wo man Englisch spricht mit mir, ist es noch in Ordnung, aber wenn man versucht, Japanisch oder Thailändisch mit mir zu sprechen, dann wird es relativ schwer.


Ist der Elektro-Rollstuhl als Fluggepäck versichert?

F. KÖSTERS: Wie ist es denn versicherungstechnisch, wenn Sie jetzt Ihren Rollstuhl beim Einsteigen abgegeben haben, und da passiert etwas mit.

DR. WINKELMANN: Das ist wirklich eine ganz wichtige Frage. Ich habe das auch schon erlebt und war nicht besonders glücklich damit. Ich hatte dann einen Schaden am Rollstuhl eingereicht und hab das aber nicht am Flughafen direkt, sondern von zu Hause aus über das Internet gemacht. Ich hatte nur eine Registriernummer und dann wurde diese Registration zwar anerkannt, aber immer wieder so behandelt, als wäre es ein Koffer und oder eine Tasche. Es gab keine Möglichkeit zu erläutern, dass mir zum Beispiel irgendetwas vom Rollstuhl abgebrochen. In diesem Fall war es die Joystickeinheit, die komplett zerstört war. Deshalb sollte man grundsätzlich explizit darauf hinweisen, dass der Schaden nicht an einem Koffer und einer Tasche entstanden ist, sondern, verbunden mit einer Registriernummer des Schadens, auch die Tatsache, dass es ein Rollstuhl ist, vermerken lassen.

F. KÖSTERS: Herr Winkelmann, wo geht es denn als nächstes hin?

DR. WINKELMANN: Das nächste Ziel ist Bhutan. Der Flug wird dann wieder spannend, mit Turkish Airlines von Leipzig startend über Istanbul und von Istanbul nach Kathmandu in Nepal. Von Nepal dann nach Paro. Das ist der einzige Flughafen in Bhutan. Dort möchten wir mal schauen, wie der Glücksindex gemessen wird und wie man dazu kommt, die Bhutani als die glücklichsten Menschen der Welt zu bezeichnen, weil die auch meinen, sie sind die glücklichsten. Schauen wir mal.

F. KÖSTERS: Gut, wenn man das selber von sich meint, dann ist das ja schon mal eine gute Sache. Ich bedanke mich, bin gespannt auf die nächsten Fotos. Die werden wieder zu sehen sein auf unserem Social-Media-Kanal und bei Ihnen auch ein bisschen was. Vielen Dank für das Interview, Herr Doktor Winkelmann und ich wünsche gute Reise für die nächste Tour nach Bhutan.

DR. WINKELMANN: Vielen Dank, Herr Kösters. War mir ein Vergnügen. Tschüss!

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